
WCAG prüfen und Prozesse nachhaltig etablieren
WCAG prüfen: So etablierst du nachhaltige Prozesse für barrierefreie Websites
Geschätzte Lesezeit: 10 Minuten
- Barrierefreiheit ist ein fortlaufender Prozess: Testen, Monitoren, Schulen, Pflegen.
- Automatisierte Tools decken 30–40% ab: Der Rest braucht manuelle Prüfungen und Nutzer-Tests.
- Release-Integration und Monitoring sparen Aufwand: CI/CD, regelmäßige Scans und Regressionstests sind Pflicht.
- Dokumentation und Verantwortlichkeiten: Ohne klare Rollen funktionieren Prozesse nicht.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Marathon. Um deine Website dauerhaft WCAG-konform zu halten, brauchst du vier Säulen: systematisches Testing vor jedem Release, kontinuierliches Monitoring, regelmäßige Schulungen und konsequente Bestandspflege. Automatisierte Tools decken etwa 30–40% der möglichen Barrieren ab – den Rest musst du manuell prüfen. Die WCAG-Richtlinien entwickeln sich ständig weiter, zuletzt mit Version 2.2 im Dezember 2024. Gesetzliche Anforderungen wie die BITV in Deutschland oder der European Accessibility Act (EAA) erhöhen den Druck auf Websitebetreiber. Wer jetzt strukturierte Prozesse etabliert, spart später Zeit, Geld und rechtliche Probleme. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Werkzeugen und einem klaren Plan schaffst du das locker.
WCAG prüfen: Warum strukturierte Tests unverzichtbar sind
Stell dir vor, du trainierst für einen Marathon ohne jemals deine Laufzeiten zu messen. Klingt absurd, oder? Genauso ist es mit Barrierefreiheit. Ohne regelmäßiges WCAG prüfen weißt du schlicht nicht, wo du stehst.
Warum das wichtig ist
Die Web Content Accessibility Guidelines sind mittlerweile zum globalen Standard geworden. In Deutschland orientiert sich die BITV direkt an den WCAG-Kriterien. Wenn du deine Website nicht regelmäßig auf WCAG-Konformität testest, riskierst du nicht nur rechtliche Konsequenzen – du schließt auch einen großen Teil potentieller Nutzer aus.
Was geprüft werden muss
Menschen mit Behinderungen nutzen das Web anders als du vielleicht denkst. Screenreader lesen Inhalte vor, die Tastaturnavigation ersetzt die Maus, und Menschen mit Sehschwächen sind auf ausreichenden Farbkontrast angewiesen. Ein fehlender Alternativtext bei einem Bild? Für einen Screenreader-Nutzer ist das wie ein schwarzes Loch im Content.
Automatisierte Tests allein reichen nicht aus. Sie finden vielleicht, dass Alt-Attribute fehlen – aber ob der Text "bild123.jpg" ein sinnvoller Alternativtext ist, können sie nicht beurteilen. Dafür braucht's Menschen mit Erfahrung.
Testing beim Release: Der erste Schutzwall gegen Barrieren
Jedes Release ohne Accessibility-Test ist wie ein Torwart, der mit verbundenen Augen ins Spiel geht – das kann nicht gutgehen. Deswegen muss WCAG prüfen fester Bestandteil deines Release-Prozesses werden.
Automatisierte Checks im Build
Automatisierte Tools wie Axe, WAVE, Lighthouse oder SiteCockpit sollten bei jedem Build laufen. Sie checken die technischen Basics: Sind Überschriften hierarchisch korrekt? Haben Bilder Alt-Attribute? Stimmen die Farbkontraste?
Manuelles Testing und Nutzer-Checks
Automatisierte Tests decken maximal 30–40% der WCAG-Kriterien ab. Der Rest erfordert manuelles Testing: Tastaturnavigation, logische Formularbeschriftungen, sinnvolle Alternativtexte, Tests mit Screenreadern und echten Nutzer:innen mit Behinderungen.
CI/CD-Integration & Regression
Integration in CI/CD-Pipelines macht das Leben leichter. Automatisierte Accessibility-Tests können direkt in deine Deployment-Prozesse eingebunden werden und schlagen Alarm, wenn kritische Barrieren erkannt werden. Nach der Behebung muss ein Regressionstest folgen, denn Fixes können neue Probleme erzeugen.
PDFs sind oft übersehen: Viele Websites sind gut zugänglich, aber dann landen PDFs online, die Barriere-Katastrophen sind. Auch PDFs müssen strukturiert, getaggt und geprüft werden.
WCAG Monitoring: Deine Website im Dauerscan
Stell dir vor, du trainierst monatelang für einen Wettkampf, aber nach dem Event hörst du komplett auf zu laufen. Deine Form baut ab — mit Websites ist es ähnlich. Einmal WCAG prüfen reicht nicht.
Werkzeuge für Monitoring
Tools wie Siteimprove, axeMonitor oder Pope Tech scannen deine Seiten regelmäßig. Sie protokollieren Verstöße, tracken Verbesserungen und warnen, wenn neue Barrieren auftauchen.
Workflow und Verantwortung
Reporting ist entscheidend: Wer bekommt die Reports? Wer priorisiert Fixes? Wer setzt sie um? Ohne klare Verantwortlichkeiten bleibt Monitoring wirkungslos. Kombiniere automatisierte Scans mit manuellen Stichproben und User-Testing.
Barrierefreiheit Wartung Website: Der laufende Betrieb
Wartung klingt unsexy, ist aber das Rückgrat jeder barrierefreien Website. Dranbleiben ist das Stichwort: Content-Pflege, technische Updates, Third-Party-Integrationen und Dokumentation müssen regelmäßig geprüft werden.
Content-Pflege
Überschriften müssen logisch strukturiert sein, Bilder brauchen sinnvolle Alternativtexte, Videos Untertitel, Links aussagekräftige Labels. CMS-Workflows sollten Barrierefreiheit erzwingen: Pflichtfelder für Alt-Texte, Warnungen beim Einfügen unstrukturierter Inhalte.
Technische Wartung
Plugin- und Theme-Updates können Barrieren einführen. Quick-Scans nach technischen Änderungen, Full-Audits bei Relaunches oder Migrationen sind Pflicht. Prüfe auch externe Widgets und Schnittstellen vor der Integration.
Schulung: Wissen ist dein stärkstes Werkzeug
Tools helfen nur, wenn Menschen wissen, wie sie sie einsetzen. Entwickler, Redakteure, Designer und QA-Teams brauchen maßgeschneiderte Trainings — regelmäßig, praktisch und hands-on.
Fokus für Entwickler
Semantisches HTML, korrekte ARIA-Nutzung, Screenreader-Tests: Diese Skills sind nicht optional. Workshops mit Übungen sind effektiver als reine Theorie.
Fokus für Redakteure & Designer
Gute Alternativtexte, verständliche Sprache, aussagekräftige Links und Farbwahl mit ausreichendem Kontrast — vieles entscheidet sich schon im Content- und Design-Prozess.
Die richtigen Tools: Dein Arsenal für WCAG-Tests
Ohne die richtigen Werkzeuge ist WCAG prüfen mühsam. Kombiniere automatisierte Checker, Screenreader, Kontrast-Checker, Tastatur-Tests, strukturierte Prüfverfahren (BIK/BITV) und Monitoring-Plattformen.
Empfohlene Tools
- Automatisierte Checker: Axe DevTools, WAVE, Lighthouse, SiteCockpit.
- Screenreader: NVDA, JAWS, VoiceOver, TalkBack.
- Kontrast-Checker: WebAIM Contrast Checker, Colour Contrast Analyser.
- PDF-Checker: PAC, Adobe Acrobat Pro Accessibility-Tools.
- Monitoring: Siteimprove, Pope Tech, axeMonitor.
Häufige Stolpersteine und wie du sie vermeidest
Selbst mit den besten Prozessen lauern Fallen. Hier sind die Klassiker:
- Nur auf automatisierte Tests verlassen: Sie finden nicht alle Probleme.
- ARIA missbrauchen: Nutze ARIA nur wenn semantisches HTML nicht reicht.
- Mobile vergessen: Touch-Targets, Zoom und Orientierung prüfen.
- Kontraste messen: Subjektives "sieht gut aus" reicht nicht.
- Formulare strukturieren: Labels, Fehlermeldungen und Fokusmanagement sind kritisch.
- PDFs ohne Prüfung: Oft ist HTML die bessere Alternative.
- Keine Verantwortlichkeiten: "Alle sind verantwortlich" bedeutet meist "niemand ist verantwortlich".
- Keine echten Nutzer einbinden: Tests mit Menschen mit Behinderungen sind unbezahlbar.
Rechtliche Anforderungen: Was du wissen musst
Barrierefreiheit ist nicht nur nice to have – in vielen Fällen ist sie gesetzlich vorgeschrieben. Die rechtliche Landschaft entwickelt sich rasant und betrifft zunehmend auch private Anbieter.
Wichtige Gesetze & Vorgaben
- BITV: Gilt in Deutschland für öffentliche Stellen, basiert auf WCAG 2.1 AA.
- European Accessibility Act (EAA): Tritt 2025 in Kraft und betrifft viele Sektoren.
- Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): Setzt den EAA in Deutschland um, ab 2025 relevant.
- Dokumentationspflicht: Prüfberichte, Monitoring-Reports und Schulungsnachweise müssen vorliegen.
Fazit: Die Anforderungen werden strenger. Wer jetzt Prozesse etabliert, ist später im Vorteil.
FAQ
Wie oft sollte ich meine Website auf WCAG-Konformität prüfen?
Mindestens bei jedem größeren Release solltest du einen Scan machen. Ideal ist kontinuierliches Monitoring, das täglich oder wöchentlich automatisiert läuft, plus manuelle Stichproben monatlich und ein vollständiges Audit mindestens einmal im Jahr. Nach technischen Updates, Relaunches oder größeren Content-Änderungen ist ein Test Pflicht.
Reichen automatisierte Tools zum WCAG prüfen aus?
Nein, definitiv nicht. Automatisierte Checker decken nur 30-40% der WCAG-Kriterien ab. Sie finden technische Probleme wie fehlende Alt-Attribute oder Kontrastfehler, aber sie können nicht beurteilen, ob ein Alternativtext sinnvoll ist oder die Tastaturnavigation intuitiv funktioniert. Du brauchst immer eine Kombination aus automatisierten und manuellen Tests.
Was ist der Unterschied zwischen WCAG, BITV und BIK?
Die WCAG sind die internationalen Web Content Accessibility Guidelines. Die BITV ist die deutsche Verordnung für öffentliche Stellen, die auf den WCAG basiert. BIK (barrierefrei informieren und kommunizieren) ist ein Projekt, das Prüfverfahren entwickelt hat – der BIK BITV-Test ist ein strukturiertes Prüfverfahren für WCAG/BITV-Konformität.
Welches WCAG-Level sollte ich anstreben?
Für die meisten Websites ist Level AA der Standard und auch rechtlich meist gefordert. Level A deckt nur die absoluten Basics ab und reicht nicht aus. Level AAA ist sehr anspruchsvoll und für viele Websites nicht vollständig umsetzbar. Fokussiere dich auf AA, einzelne AAA-Kriterien kannst du zusätzlich erfüllen, wo es sinnvoll ist.
Wie teste ich meine Website mit einem Screenreader?
Für Windows nutze NVDA (kostenlos) oder JAWS, für Mac den eingebauten VoiceOver. Starte den Screenreader, schalte deinen Bildschirm aus oder schließe die Augen, und versuche, durch deine Website zu navigieren. Werden alle Inhalte vorgelesen? Sind Überschriften klar? Funktionieren Formulare? Ist die Reihenfolge logisch? Erste Tests sind holprig, aber sehr aufschlussreich.
Müssen auch PDFs barrierefrei sein?
Ja, definitiv. PDFs sind oft größere Barrieren als die Websites selbst. Sie müssen getaggt, strukturiert und mit alternativen Beschreibungen für Bilder versehen sein. Tools wie PAC (PDF Accessibility Checker) helfen beim Prüfen. Oft ist es einfacher, Inhalte als HTML statt als PDF anzubieten.
Was kostet ein professionelles Accessibility-Audit?
Das hängt vom Umfang ab. Für eine kleine Website mit 20-30 Seiten kannst du mit 2.000-5.000 Euro rechnen. Größere Websites oder komplexe Webanwendungen können 10.000 Euro und mehr kosten. Das klingt viel, ist aber oft günstiger als spätere rechtliche Probleme oder aufwändige Nachbesserungen.
Wer sollte in meinem Team für Barrierefreiheit verantwortlich sein?
Im Idealfall alle, aber du brauchst einen Verantwortlichen, der den Überblick hat. Oft ist das ein Accessibility-Manager oder ein erfahrener Frontend-Entwickler. Wichtig: Es betrifft Design, Entwicklung, Content und QA. Nur wenn alle Bereiche mitziehen und geschult sind, funktioniert es nachhaltig.
Kann ich WCAG-Konformität selbst zertifizieren?
Es gibt keine offizielle WCAG-Zertifizierung. Du kannst selbst prüfen und eine Erklärung zur Barrierefreiheit abgeben. Für mehr Glaubwürdigkeit kannst du externe Audits von spezialisierten Agenturen durchführen lassen, die dann einen Prüfbericht erstellen. Manche Organisationen vergeben Labels wie das BIK-Prüfzeichen nach erfolgreicher Prüfung.
Wie gehe ich mit Third-Party-Tools um, die nicht barrierefrei sind?
Das ist ein häufiges Problem. Prüfe vor der Integration, ob das Tool barrierefrei ist. Wenn nicht, suche nach Alternativen oder kontaktiere den Anbieter. Falls es keine Alternative gibt, minimiere den Schaden: Biete einen alternativen Weg für die Funktion an, kennzeichne die Barriere transparent und arbeite darauf hin, eine bessere Lösung zu finden.
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