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Kostenlos Barrierefreiheit checken mit Top-Tools 2025
20. November 2025Algoran Team

Kostenlos Barrierefreiheit checken mit Top-Tools 2025

Kostenlos Barrierefreiheit checken: Die besten Tools im Praxis-Check 2025

Key visual: Übersicht verschiedener Accessibility-Tools auf einem Bildschirm

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten



Wichtigste Erkenntnisse

  • WAVE, axe und Lighthouse sind die Top-Empfehlungen für kostenlose Barrierefreiheitschecks.
  • Automatisierte Tools finden nur etwa 30–40% aller Barrieren – manuelle Tests bleiben unverzichtbar.
  • Accessibility Checker bietet den einfachsten Einstieg für Einsteiger.
  • Seit 2025 macht das BFSG WCAG-Konformität für viele Unternehmen zur Pflicht.
  • Für PDFs empfiehlt sich das Tool PAC (PDF Accessibility Checker).


Inhaltsverzeichnis



Warum Barrierefreiheit im Web heute Pflicht ist

Illustration: Gesetzesakt und Nutzer mit Hilfsmitteln wie Screenreader und Tastaturnavigation

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) macht digitale Barrierefreiheit ab 2025 für viele Unternehmen zur rechtlichen Verpflichtung. Was früher nur für öffentliche Stellen galt, betrifft jetzt auch private Anbieter von Produkten und Dienstleistungen. Die Anforderungen orientieren sich an den WCAG-Richtlinien und der europäischen Norm EN 301 549.

Menschen mit Behinderungen nutzen verschiedene Hilfsmittel wie Screenreader, Tastaturnavigation oder spezielle Kontrast-Einstellungen. Eine barrierefreie Webseite funktioniert für alle Nutzer – egal ob mit Maus, Tastatur oder Sprachsteuerung. Das ist nicht nur eine Frage der Inklusion, sondern verbessert auch die allgemeine Usability.

Die WCAG-Kriterien definieren drei Konformitätsstufen: A (minimal), AA (empfohlen) und AAA (optimal). Für die meisten Websites ist Level AA der anzustrebende Standard. Hier werden grundlegende Anforderungen wie ausreichende Kontraste, Alt-Texte für Bilder und eine logische Struktur geprüft.

Ein häufiger Denkfehler: Barrierefreiheit bedeutet nicht, dass Websites langweilig aussehen müssen. Im Gegenteil – eine klare Struktur, gute Kontraste und verständliche Texte profitieren allen Besuchern. Besonders auf mobilen Geräten zahlt sich das aus.

Die rechtlichen Konsequenzen bei Verstößen können empfindlich sein. Abmahnungen und Bußgelder drohen. Viel wichtiger ist aber: Ohne Barrierefreiheit verliert man potenzielle Kunden. In Deutschland leben etwa 13 Millionen Menschen mit Behinderungen – ein Markt, den sich kein Unternehmen entgehen lassen sollte.

Der erste Schritt zur barrierefreien Website ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Genau hier kommen kostenlose Checker-Tools ins Spiel. Sie zeigen schnell, wo die größten Probleme liegen und wie man sie beheben kann.



WAVE – Der visuelle Barrierefreiheits-Check für Einsteiger

Screenshot: WAVE-Toolbar und markierte Fehler direkt auf einer Webseite

Funktionsweise

WAVE gehört zu den beliebtesten kostenlosen Tools für Barrierefreiheitsprüfungen. Das Web Accessibility Evaluation Tool zeigt Fehler direkt visuell auf der Website an – ein großer Vorteil gegenüber reinen Fehlerlisten. Man sieht sofort, wo genau ein Problem liegt.

Die Bedienung ist denkbar einfach: URL eingeben oder die Browser-Erweiterung nutzen. WAVE überprüft Alt-Texte, Überschriftenstruktur, Farbkontraste und ARIA-Markup. Die Ergebnisse werden mit Icons direkt auf der Seite markiert: rote Icons für Fehler, gelbe für Warnungen und grüne für korrekte Elemente.

Einsatz & Grenzen

Ich nutze WAVE besonders gern für einen ersten Schnelltest. Die visuelle Darstellung hilft Kunden zu verstehen, wo Probleme liegen. Die Strukturansicht zeigt die Hierarchie der Überschriften und deckt falsche HTML-Tags wie ein h3 direkt nach einem h1 ohne dazwischenliegendes h2 auf.

Grenzen hat WAVE bei der Analyse komplexer Interaktionen. JavaScript-basierte Komponenten werden nur eingeschränkt getestet. Auch seitenübergreifende Analysen sind nicht möglich – jede Seite muss einzeln geprüft werden. Für größere Websites wird das schnell mühsam.



axe Accessibility Checker – Das Entwickler-Werkzeug

Interface: axe Integration in den Developer Tools mit Fehlerliste und Codebeispielen

Funktionen & Integration

axe richtet sich klar an Entwickler. Als Browser-Plugin integriert es sich in die Developer Tools von Chrome, Firefox und Edge. Die Prüfung erfolgt automatisiert nach WCAG-Kriterien und liefert technisch detaillierte Ergebnisse.

Die Fehler sind nach Schweregrad kategorisiert, was bei der Priorisierung hilft. Fehlerbeschreibungen sind technisch präzise und enthalten oft Code-Beispiele zur Lösung. Eine praktische Inspect-Funktion zeigt Elemente im DOM-Tree mit allen Barrierefreiheits-Informationen an.

Die Integration in den Entwicklungs-Workflow funktioniert reibungslos. Während man an einer Seite arbeitet, kann man mit einem Klick einen Test starten. Die Ergebnisse erscheinen direkt in der Console – kein Wechsel zu einem externen Tool nötig.

Allerdings ist axe nichts für absolute Anfänger: Die Ergebnisse setzen Kenntnisse in HTML, CSS und ARIA voraus. Auch axe prüft nur Einzelseiten und findet nur automatisch erkennbare Probleme. Etwa 60–70% der Barrieren bleiben unentdeckt, weil sie manuelle Tests erfordern.



Google Lighthouse – Der Allrounder für Performance und Accessibility

Report: Lighthouse-Audit mit Scores für Performance, Accessibility, SEO und Best Practices

Google Lighthouse ist mehr als ein reiner Barrierefreiheit-Checker. Das Open-Source-Tool prüft gleichzeitig Performance, SEO, Best Practices und Accessibility. Diese ganzheitliche Betrachtung macht es besonders wertvoll, weil die Bereiche oft zusammenhängen.

Die Integration in Chrome DevTools macht Lighthouse extrem zugänglich. Ein Klick auf „Generate Report“ und nach wenigen Sekunden erscheint ein detaillierter Bericht mit Punktzahlen von 0 bis 100. Die Accessibility-Punktzahl zeigt auf einen Blick, wie barrierefrei eine Seite ist.

Lighthouse findet typische Probleme wie fehlende Alt-Texte, unzureichende Kontraste, fehlende Labels bei Formular-Elementen oder Probleme mit der Fokus-Reihenfolge. Jeder Fehler wird mit einem Screenshot und konkreten Empfehlungen dokumentiert.

Nachteile: Lighthouse prüft nur Einzelseiten und bietet keine zentrale Verwaltung mehrerer Tests. Für große Websites mit hunderten Seiten wird das unpraktisch. Technische Empfehlungen können zudem für Nicht-Entwickler überwältigend sein.



Accessibility Checker – Einfach und übersichtlich für schnelle Tests

Interface: accessibilitychecker.org Prüfbericht mit Erklärungen und Codebeispielen

Der Accessibility Checker auf accessibilitychecker.org ist perfekt für Einsteiger und schnelle Checks. URL eingeben, auf „Check“ klicken und nach wenigen Sekunden erscheint ein verständlicher Bericht mit Hinweisen zur Behebung.

Besonders nützlich: ein integrierter Generator für die Erklärung zur Barrierefreiheit, die in Deutschland für öffentliche Stellen vorgeschrieben ist. Der Checker bietet außerdem detaillierte Farbkontrast-Analysen und schlägt alternative Farben vor.

Der Report enthält Code-Beispiele direkt neben den Fehlern – ideal für Lernzwecke. Wie bei anderen Tools gelten auch hier Einschränkungen: komplexe ARIA-Implementierungen oder JavaScript-Komponenten werden nur grundlegend geprüft.



PDF-Barrierefreiheit mit PAC prüfen

Screenshot: PAC-Analyse mit Struktur- und visueller Prüfung eines PDF-Dokuments

Barrierefreiheit endet nicht bei Websites – auch PDF-Dokumente müssen zugänglich sein. Der PAC (PDF Accessibility Checker) ist das Standard-Tool für die kostenlose Überprüfung von PDFs und prüft, ob Dokumente dem PDF/UA-Standard entsprechen.

PDFs sehen oft visuell perfekt aus, sind aber für Screenreader unbrauchbar, wenn sie z. B. gescannte Bilder ohne Texterkennung enthalten. PAC analysiert die Struktur, prüft Tags für Überschriften, Alt-Texte und die Lesereihenfolge.

Die Ergebnisse zeigen WCAG-Tests, strukturelle Fehler und eine visuelle Gegenüberstellung, wie ein Screenreader das Dokument interpretiert. Typische Probleme sind Tabellen ohne korrekte Tags oder fehlende Bildbeschreibungen. PAC behebt nichts automatisch – die Korrektur erfordert oft Tools wie Adobe Acrobat Pro.

Meine Empfehlung: PDFs von Anfang an barrierefrei erstellen. Authoring-Tools wie Word oder InDesign bieten entsprechende Optionen, und PAC hilft dabei, bereits während der Erstellung zu testen.



Browser-Erweiterungen im Entwickler-Alltag

Illustration: Browser Extensions Iconbar mit WAVE, axe, Lighthouse und Farbkontrast-Tool

Browser-Erweiterungen sind praktisch, weil sie direkt im Entwicklungsprozess verfügbar sind. Neben WAVE und axe gibt es Tools wie WCAG Color Contrast Checker, HeadingsMap oder Landmarks.

Praxis-Tipp: Mehrere Tools parallel nutzen. WAVE für den visuellen Überblick, axe für technische Details und Lighthouse für einen umfassenden Audit – diese Kombination deckt die meisten Barrieren ab.

Achten Sie auf Performance: Zu viele Extensions können die Seite verlangsamen. Ein weiterer wichtiger Test ist die echte Tastaturnavigation – einfach Maus weglegen und die Website ausschließlich per Tab, Enter und Pfeiltasten bedienen.



Grenzen automatisierter Tests und was noch fehlt

Diagram: Unterschiedliche Testmethoden – automatisiert vs. manuell mit Nutzern

Automatisierte Tools sind großartig, haben aber klare Grenzen. Sie finden nur etwa 30–40% aller Barrierefreiheitsprobleme. Der Rest erfordert manuelle Überprüfung durch Menschen, idealerweise Nutzer mit Behinderungen.

Ein Tool kann nicht beurteilen, ob ein Alt-Text sinnvoll ist oder ob die Navigation intuitiv ist. Kontextuelles Verständnis bleibt menschliche Aufgabe.

Komplexe Interaktionen wie Dropdowns, Modals oder Single-Page-Applications sind besonders problematisch. Tools testen meist nur den initialen Zustand. User-Testing mit Menschen mit Behinderungen ist unverzichtbar, um echte Gebrauchstauglichkeit zu prüfen.

Ein pragmatischer Ansatz: automatisierte Tests für die technische Basis, manuelle Tests für kritische User Journeys und regelmäßiges Feedback von echten Nutzern. Das stellt sicher, dass eine Website nicht nur formal konform, sondern wirklich benutzbar ist.



FAQ – Häufige Fragen zur Barrierefreiheitsprüfung

Symbol: FAQ-Symbol mit Fragezeichen und Dokumenten
Welches kostenlose Tool ist am besten für Einsteiger?

Der Accessibility Checker auf accessibilitychecker.org ist ideal für Einsteiger. Er ist einfach zu bedienen, liefert verständliche Ergebnisse und erklärt jeden Fehler mit konkreten Lösungsvorschlägen. WAVE ist eine gute Alternative mit visueller Darstellung.

Reichen kostenlose Tools für BFSG-Konformität aus?

Kostenlose Tools helfen bei der technischen Umsetzung, ersetzen aber kein vollständiges Audit. Für rechtssichere BFSG-Konformität braucht es manuelle Tests und eine dokumentierte Prüfung nach WCAG 2.1 Level AA. Viele Unternehmen holen dafür externe Experten.

Wie oft sollte ich meine Website auf Barrierefreiheit prüfen?

Idealerweise kontinuierlich während der Entwicklung. Nach größeren Updates oder Redesigns ist ein umfassender Check Pflicht. Mindestens einmal jährlich sollte auch ein manuelles Audit durchgeführt werden, um neue Probleme zu finden.

Was ist der Unterschied zwischen WCAG und BITV?

Die WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) sind internationale Standards. Die BITV (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung) ist die deutsche Umsetzung für öffentliche Stellen. Die BITV basiert auf WCAG 2.1 Level AA, enthält aber zusätzliche nationale Anforderungen.

Können automatisierte Tools Screenreader-Tests ersetzen?

Nein. Automatisierte Tools prüfen technische Kriterien, können aber nicht beurteilen, ob die Nutzererfahrung gut ist. Ein echter test mit NVDA, JAWS oder VoiceOver ist unverzichtbar, um zu verstehen, wie blinde Menschen die Website wahrnehmen.

Muss ich auch PDFs auf Barrierefreiheit prüfen?

Ja. Das BFSG gilt auch für digitale Dokumente. PDFs müssen dem PDF/UA-Standard entsprechen. Der PAC (PDF Accessibility Checker) ist das Standard-Tool für kostenlose PDF-Tests. Barrierefreie PDFs zu erstellen ist allerdings aufwändiger als Websites.

Was kostet eine professionelle Barrierefreiheitsprüfung?

Die Kosten variieren stark je nach Umfang. Ein einfaches Audit für eine kleine Website startet bei etwa 1.500-3.000 Euro. Für größere Websites mit komplexen Funktionen können schnell 10.000 Euro und mehr fällig werden. Laufende Begleitung ist oft sinnvoller als einmalige Audits.

Welche WCAG-Stufe sollte ich anstreben?

Level AA ist der empfohlene Standard und wird auch vom BFSG gefordert. Level A ist zu wenig, Level AAA ist für die meisten Websites unrealistisch. Mit Level AA erfüllt man die rechtlichen Anforderungen und bietet gute Barrierefreiheit.